Geodätische Bezugssysteme in der Bundesrepublik Deutschland
22.09.1999
 
Übergang zu neuen Bezugssystemen geplant

Killet, C., Einführung eines neuen geodõtischen Bezugssystems. AVN 1/1999    
In der Bundesrepublik Deutschland haben zur Zeit vier Bezugssysteme eine besondere Bedeutung:
  • In den alten Bundesländern und - nach der Wiedervereinigung - im gesamten Bundesgebiet ist das geodätische Bezugssystem auf das Potsdamer Datum, bezogen auf das Bessel-Ellipsoid, verwendet. Die Abbildung der Erdoberfläche erfolgt in einem geographischen Koordinatensystem (Länge, Breite) oder in einem Gauß-Krüger-System mit drei Grad breiten Meridianstreifen.
  • In der ehemaligen DDR wurde das System 42/83, basierend auf dem Krassowskiy-Ellipsoid, in einem Gauß-Krüger-System mit sechs  Grad breiten Meridianstreifen verwendet.
  • Das militärische Geowesen verwendet den europäischen Nato-Standard mit dem Europäischen Datum ED50 auf dem internationalen Hayford-Ellipsoid mit Abbildung im UTM-Streifensystem (Universale transversale Mercatorprojektion) mit sechs Grad breiten Streifen.
  • Durch die Nutzung des Globalen Positionierungssystem (GPS) gewinnt das 1984 festgelegte, weltweit gültige World Geodetic System WGS84 immer mehr an Bedeutung.

Für die länderübergreifende Nutzung von Geodaten ohne aufwendige Transformationsschritte werden weltweit einheitliche geodätische Bezugssysteme nötig. Ein solches Bezugssystem ist das IERS-Terrestrial Reference Frame (ITRF; IERS = International Earth Rotation Service) System ITRS89 mit dem ITRF89-Datum.

Ursprung des ITRF ist der Massenmittelpunkt der Erde, die Z-Achse ist die mittlere Rotationsachse der Erde, die im "IERS-Reference Pole" die Erdkruste durchstößt. Der IERS-Referenzpol ist im Rahmen der Realisierungsgenauigkeit (0,03") konsistent mit dem "Conventional International Origin (CIO)". Die Y-Achse fällt in die 0°-Meridianebene (Greenwich-Meridian), die durch Längenzuordnungen von Referenzstationen festgelegt ist.

Im geodätischen Datum des ITRF werden zu Beginn eines jeden Jahres (z.B. 1989.0) für ca. 180 weltweit verteilte Stationen Koordinatensätze mit Bewegungsvektoren gerechnet.

Ausgangselemente für das europäische Datum ETRS89 sind die für den Beginn des Jahres 1989 (1989.0) abgeleiteten ITRF-Koordinaten der europäischen ITRF-Stationen. Diese Koordinaten definieren das ETRS89, das damit invariant gegenüber Änderungen ist, die sich aufgrund z.B. atlantischer Driftraten in den ITRF-Koordinaten der europäischen Stationen ergeben. Für Europa ist das daran angeschlossene European Terrestrial Reference Datum ETRF89 -Datum bestimmt worden, das die Grundlage für das European Terrestrial Reference System ETRS89.

Für die Berechnung geographischer Koordinaten und (ellipsoidischer) Höhen im ETRS89 wird das Ellipsoid des Geodätischen Referenzsystems 1980 (GRS80) verwendet.

Die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Bundesrepublik Deutschland (AdV) hat 1991 für alle Aufgabenbereiche des Vermessungs- und Katasterwesens die Einführung des ETRS89-Bezugssystems beschlossen. Dabei wird das GRS80-Ellipsoid (Geodetic Reference System 1980) zugrundegelegt, das bis auf wenige Millimeter mit GDS84 übereinstimmt. GPS-Daten können bei dieser geringen Abweichung als Angaben in diesem System betrachtet werden. Als Abbildungsverfahren wird Universal Transversal Mercatorprojection (UTM) festgelegt.

Die Umsetzung des AdV-Beschlusses, ursprünglich für die Jahrtausendwende geplant, wird jedoch einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen, in dem die bisher verwendeten Bezugssysteme neben den neuen verwendet werden müssen.

 Verweise
Arbeitsgemeinschaft der Vermessungs-
verwaltungen
der Bundesrepublik Deutschland (AdV)

Weitere Informationen: http://www.adv-online.de
Quelle: Killet, C., Einführung eines neuen geodõtischen Bezugssystems. AVN 1/1999

 

Neuigkeiten und Anregungen senden Sie bitte an gis-news.de!