Die Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK)
10.10.1997
 

Das Vorhaben "Automatisierung der Liegenschaftskarte" (ALK) wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) als herstellerneutrales Programmsystem zur automatisierten Führung des Zahlen- und Kartennachweises des Liegenschaftskatasters entwickelt und in der ALK-Verfahrensdokumentation beschrieben.

Das Gesamtsystem besteht aus einem Verarbeitungsteil und dem ALK-Datenbankteil. Der Verarbeitungsteil enthält die fachbezogenen Verarbeitungsprogramme und führt die Kommunikation mit dem Sachbearbeiter durch. Er kann sowohl in einer zentralen (d.h. ein gemeinsamer Rechner mit dem Datenbankteil) als auch in einer dezentralen Datenverarbeitungsstelle eingesetzt werden. Es können mehrere Verarbeitungsteile – auch von unterschiedlichen Systemanbietern – mit dem Datenbankteil in Verbindung stehen.

Der ALK-Datenbankteil ist im wesentlichen für folgende Aufgaben zuständig:

  • Fortführung und Benutzung der Primärdateien (Grundrißdatei, Punktdatei, Datei der Messungselemente),
  • ALK-Auftragsverwaltung (Überwachung und Verwaltung der Aufträge des Auftragsbuchs-LK).

Der ALK-Datenbankteil nimmt die Daten des Verarbeitungsteils entgegen, führt die Einrichtung, Fortführung und Benutzung der Dateien durch und stellt das Ergebnis dem Verarbeitungsteil zur Verfügung (Ergebnisdaten).

Die Nutzung der ALK als Basis für grundstückbezogene Informationssysteme setzt voraus, daß alle Anwender und Nutzer den digitalen Kartennachweis problemlos lesen und weiterverarbeiten können. Für den Datenaustausch wird deshalb die für den Datenübergang im ALK-System zwischen ALK-Datenbankteil und ALK-Verarbeitungsteil konzipierte „Einheitliche Datenbankschnittstelle (EDBS)" verbindlich festgelegt. Über die EDBS werden Daten nach einem eindeutig definierten Formalismus in linearisierter Form ausgetauscht. Die Übergabe der Daten erfolgt im 7-Bit-Code nach DIN 66003, deutsche Referenzversion mit Umlauten.

Die Konzeption der ALK läßt es zu, daß anstelle des ALK-Verarbeitungsteils für die Antragsbearbeitung und/oder die graphische Verarbeitung herstellerspezifische Arbeitsplätze zum Einsatz kommen können. Diese müssen jedoch ebenfalls in der Lage sein, die zuvor genannten Forderungen an den Datenautausch zu erfüllen. Untereinander kompatible Systeme können darüber hinaus Daten in den jeweiligen Ein- / Ausgabeformaten austauschen.

Die Schnittstellenkonzeption der ALK ermöglicht es, daß Arbeitsplätze von Anwendern anderer Fachbereiche mit der Grundrißdatei der ALK-Datenbank kommunizieren können. Dies kann in der Form geschehen, daß interessierten Stellen eigene Datenbereiche (Folien) innerhalb der Grundrißdatei zur Führung zugewiesen werden. Im übrigen können an Nutzer zur Erfüllung ihrer eigenen Aufgaben digitale Daten der ALK- abgegeben werden.

Im Rahmen des Vorhabens "Automatisierung der Liegenschaftskarte" wird zwischen einer elementargeometrischen Sicht und einer Objektsicht unterschieden [Stöppler 1987b].

Elementargeometrische Objektsicht heißt: Die Karte bzw. ihre graphischen Informationen werden analytisch zerlegt in kleinste, sog. elementargeometrische Einheiten. Dabei kann es sich um

  • punktförmige Einheiten (ein Grenzpunkt, eine thematische Signatur),
  • linienförmige Einheiten (ein Grenzabschnitt, eine Gebäudeseite),
  • flächenförmige Einheiten (die Umringbegrenzung eines Flurstücks oder eines Gebäudes) oder um
  • textförmige Einheiten (Flurstücksnummern, Eigenname eines Gebäudes)

handeln.

Objekte als fachliche Einheiten bezeichnen dagegen eine aus fachlicher Sicht erforderliche Menge bestimmter elementargeometrischer Einheiten. Welche elementargeometrischen Einheiten zu einem Objekt zusammenzufassen sind, ist aus der spezifischen Sicht des einzelnen Fachbereichs festzulegen. So mag für den Umweltbereich die Straße in ihrer Gesamtheit als linienförmige Quelle für Lärmemissionen von Bedeutung sein; für das Biotopkataster ist ein Teich mit seiner Vielfalt an floristischen und faunistischen Informationen von Bedeutung und nicht nur seine Lage und Nutzungsangabe im Liegenschaftskataster.

Die Objektverschlüsselung ist Teil der Objektbildung. Die Menge der fachlichen Grundrißinformationen erfordert eine umfangreiche Verschlüsselung aller Einzelinformationen jedes Anwendungs- bzw. Funktionsbereiches.

Jeder Anwendungsbereich beschreibt seinen graphischen Nachweis vollständig in kleinsten fachlichen Einheiten (Elementarobjekte). Aus dieser Beschreibung entwickelt jeder Anwender im Rahmen der durch die Objekte und Objektabbildung vorgegebenen Struktur unter Berücksichtigung seiner Besonderheiten eine anwenderspezifische Objektbeschreibung und legt hier auch fest, welche Objektteile der Elementarobjekte zu größeren Informationseinheiten (Rasterobjekte) zusammengefaßt werden [Stöppler 1987b].

Den Daten der ALK kommt für viele Anwendungen in der täglichen Praxis große Bedeutung zu. Die Geometrie von Flurstücken, Straßenverläufen und Bebauung werden vom Anwender um weitere Attribute oder um weitere Geometrieinformation ergänzt. Versorgungsbetriebe für Gas, Wasser, Fernwärme und Strom beziehen ihre Leitungslage in der Regel auf diese Grunddaten. Dies geschieht auch im behördlichen Bereich bei Polizei, Feuer- und Sanitätsdiensten, Hafen- und Flugbehörden [Barwinski 1988].

Der Speicherung der ALK-Daten dient der ALK-Datenbankteil, der auf der Basis der für die Verwaltung empfohlenen K-Schnittstellen (KDBS, KDCS, KSDS) [AdV 1989, S. 21] systemabhängig realisiert wurde. Zu den Aufgaben dieses Programmsystems gehört die Prüfung der Daten hinsichtlich Vollständigkeit, richtiger Zuordnung und Zusammensetzung bei der Ersterfasung und Fortführung. Für Bearbeitung und Weitergabe werden entsprechend Daten selektiert und im EDBS-Format bereitgestellt.

Die Verschlüsselung der Grundrißinformation des Liegenschaftskatasters erfolgt durch eine einheitliche Systematik. Damit werden folgende Ziele verfolgt:

  • Einheitliche Verschlüsselung gleicher Informationen in der Liegenschaftskarte und im Liegenschaftsbuch (ALB).
  • Verknüpfung der Informationen des Liegenschaftskatasters mit der topographischen Kartographie,
  • Ausgestaltung des Grundrißnachweises des Liegenschaftskatasters zu einer integrationsfähigen Datenbasis von Informationssystemen,
  • Möglichkeit des fachlichen und DV-technischen Datenaustausches mit Informationssystemen sonstiger Nutzer des Liegenschaftskatsters.

Die Grundrißinformationen werden durch einen dreistelligen Folienschlüssel und einen vierstelligen Objektschlüssel verschlüsselt. Die Grundrißinformationen des Liegenschaftskatasters werden einheitliche im Rahmen des vond er AdV vorgegebenen Objektschlüsselkatalogs (OSKA) verschlüsselt. Daneben können Anwender Sonderkataloge (Sonder-OSKA) aufstellen, die die Verschlüsselung anderer Anwendungs- und Fachbereiche enthalten. Anwender bzw. Nutzer legen fest, welche fachlichen Inhalte verschlüsselt bestimmten Folien zugeordnet werden und beschreiben dies in einem Sonderkatalog. Folgende Schlüsselbereiche sind dafür vorgesehen:

Schlüsselbereich Anzahl Folien Funktionsbereich
000 - 099 40 Liegenschaftskataster
100 - 199 22 Landesvermessung
200 - 699 100 Kommunaler Funktionsbereich
700 - 998 30 Funktionsbereich anderer Stellen
999 Folienübergreifende Objektteile bzw. Kartenzeichen

Um eine eindeutige Verschlüsselung des OSKA und der Sonderkataloge zu erhalten, werden die verschlüsselten Grundrißinformationen jeweils fest definierten fachlichen Gruppen (Folien) zugeordnet. Gleiche Objektschlüssel können deshalb in mehreren Folien vorkommen.

000-
0000 ANFANG OSKA-LiegKat NRW vom 01.07.89
(0100) Grenzzeichen, Vermessungspunkt
052- 0101 Oberirdischer Grenzstein O
085- 0101 Oberirdischer Grenzstein O
052- 0102 Unterirdischer Grenzstein O
085- 0102 Unterirdischer Grenzstein O
052- 0103 Grenzhügel O
085- 0103 Grenzhügel O
052- 0104 Grenzkreuz O
085- 0104 Grenzkreuz O
052- 0105 Grenzbaum (Nadelbaum) O
085- 0105 Grenzbaum (Nadelbaum) O
052- 0106 Grenzbaum (Laubbaum) O
085- 0106 Grenzbaum (Laubbaum) O
052- 0108 Sonstiges Grenzzeichen O
085- 0108 Sonstiges Grenzzeichen O
(0110) Besonderes Grenzzeichen, besonderer Schriftzusatz
052- 0111 Grenzzeichen an Staats-, Landesgrenzen O
085- 0111 Grenzzeichen an Staats-, Landesgrenzen O
052- 0112 Grenzsäule an Staats-, Landesgrenzen O
085- 0112 Grenzsäule an Staats-, Landesgrenzen O
063- 0113 Vermarkter Grenzpunkt der Markscheide O
082- 0114 Jagenstein, Abteilungsstein O

Der OSKA der AdV ist als zentraler Verschlüsselungskatalog verbindlich. Die dort aufgeführten Verschlüsselungen berücksichtigen die im Nutzungsartenverzeichnis der AdV definierten flächenbezogenen Nutzungsarten, das Verzeichnis der Gebäudenutzungen im Liegenschaftskataster sowie die Darstellungsinhalte der Liegenschaftskarte, der Vermessungsrisse und der Deutschen Grundkarte 1:5000 (DGK 5). Die Verschlüsselung ist identisch für die Folien und Objekte des OSKA, für die Kartenzeichen in der Muster-Zeichenvorschrift (Muster-ZV), für die Objekte und Objektteile im Musterabbildungskatalog (OBAK) und für die Kartenzeichen in dem Musterblatt der DGK 5.

Die Verschlüsselungssystematik enthält ebenfalls Freiräume für länderspezifische Anwendungen. Ebenfalls werden nicht alle Folien- und Objektschlüsselkombinationen in die länderspezifischen OSKA übernommen. Desweiteren können im Einzelfall auch landesspezifische Anpassungen der Objektbezeichnungen erforderlich sein. So ist der OSKA-LiegKat NRW ein für Nordrhein-Westfalen gebildeter Teilmengenkatalog für die Verschlüsselung der Grundrißinformation der Liegenschaftskarte [NRW 1994]. Er enthält darüber hinaus mit der Kommunalverwaltung abgestimmte Empfehlungen für Folien und Objektschlüssel kommunaler Anwendungen.

Weitere Informationen: http://www.adv-online.de
Quelle: Franz-Josef Behr

 

Neuigkeiten und Anregungen senden Sie bitte an gis-news.de!