Allgemeines
Während die vektororientierte Datenstruktur mehr oder weniger direkt die linien- und flächenhaften geometrischen Eigenschaften der zu modellierenden Entitäten widerspiegelt, finden wir beim rasterorientierten Ansatz eine ganz andere Repräsentation von Objekten (Abb. 13): Die geometrischen Grundstrukturen werden in einzelne Rasterpunkte (Bildelemente, Pixel) zerlegt. Die Rasterelemente sind in der Regel quadratisch geformt und meist auch von identischer Größe.
Eine Punkt-Entität wird durch einen Rasterpunkt dargestellt, eine linienförmige Entität durch eine Folge von Rasterpunkten und eine Fläche durch eine Menge von Rasterelementen.
Hat die Entität eine volumenhafte Ausprägung, kann die Abbildung durch Volumenelemente (volume elements, voxels) erfolgen (Abb. 13c). Kontinuierliche Werteverläufe, wie Geländehöhen, Niederschlagswerte oder Lärmimmissionen, können diskretisiert als Rastermatrix approximiert werden. Logisch zusammenhängende Information (z.B. Flächennutzung, Geländehöhe) wird man in der Regel in einer Rastermatrix (Datenebene, Layer) ablegen, während andere Daten weiteren Datenebenen zugewiesen werden.
Die Rasterstruktur selbst, versehen mit einer Metrik, definiert die Lage der Objekte im Raum (Abb. 14). Der geometrische Bezug der Rasterpunkte ermöglicht so auf einfache Weise, räumliche Beziehungen der Elemente untereinander zu untersuchen.
Thematische Auswertungen, wie z.B. das Überlagern verschiedener Datenebenen, werden sehr effizient durchgeführt.
Jedem Rasterelement ist ein Zahlenwert (Klassennummer, Graustufe) zugeordnet, dem im Einzelfall unterschiedliche Semantik (Bedeutung) zukommt. In den nachfolgenden Abbildungen sind einige Möglichkeiten dargestellt:
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a) Eine Klassennummer kann als identifizierendes Kennzeichen das Rasterelement als Teil einer bestimmten Fläche kennzeichnen (z.B. eines Grundstücks). |
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b) Die Klassennummer ist klassifizierendes Attribut. In diesem Fall repräsentiert der Zahlenwert die Zugehörigkeit eines Gewässers zu einer gewissen Ordnungsstufe. |
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c) Die Klassennummer gibt nicht direkt ein Attribut wieder (wenn beispielsweise nur ganzzahlige Werte als Klassennummer möglich sind, der Wertebereich des Attributs jedoch reell ist). Der Attributwert wird erst durch eine Abbildung der Klassennummer auf den Attributwertebereich (Reklassifizierung) ermittelt. |
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d) Sollen mehrere Attribute mit den Entitäten verknüpft werden, dient die Klassennummer als Zugriffsschlüssel auf eine Attributtabelle. |
Abb. 15
Die beschränkte geometrische Auflösung eines Rasterpunktes (vgl. Abb. 13a) und die durch die häufige Verwendung ganzzahliger Zahlenwerte eingeschränkte Quantisierung der Information (Abb. 15c) bedingen eine begrenzte Genauigkeit rasterbasierter Information.
Datenkompression
Für effizienten Zugriff und Reduzierung des Speicherplatzbedarfs gibt es verschiedene Methoden der Datenkompression und -verwaltung, von denen im folgenden Bitreduktion und Lauflängencodierung vorgestellt werden; der Quadtree-Zerlegung wird ein ausführlicherer Abschnitt gewidmet.
Bitreduzierung: Die physikalische Speicherung
sollte aus Speicherplatzgründen der Quantisierung der in der jeweiligen
Datenebene abgelegten Information entsprechen. Ist etwa nur eine
Information abgelegt (z.B. „Gewässer" bzw. „kein Gewässer"),
so ist die Speicherung mit 1 bit pro Rasterelement ausreichend (binäre
Karte). Die Verwendung solcher „Binärbilder" erlaubt darüber
hinaus die sehr effiziente logische Verknüpfung unterschiedlicher
Datenebenen.
Lauflängencodierung: Eine weitere Möglichkeit der Datenkompression stellt die Lauflängencodierung (run length code) dar. Hierbei werden in jeder Zeile Rasterpunkte mit gleichem Grauwert zusammengefaßt und Startpunkt und Länge der so gebildeten Punktfolgen abgespeichert.
Die Effektivität der Lauflängencodierung ist abhängig von der Struktur der zu komprimierenden Datenebenen. Bei ausgeprägt homogenen Daten ist ein hoher Kompressionsgrad zu erreichen, bei sehr inhomogenen Daten ist eher eine Vergrößerung des Datenvolumens zu erwarten.
Die Quadtree-Zerlegung
Das Prinzip der Quadtree-Zerlegung beruht auf einer rekursiven Zerlegung von Bildbereichen und Zusammenfassung homogener Bereiche (Abb. 16). Das Gitter wird schrittweise bis zu einer gewünschten Auflösung verfeinert, bis jede Gitterzelle eine homogene Fläche repräsentiert.
Die Zelle wird dann zusammen mit ihrem charakterisierenden Merkmal (Klassennummer) und einer einzigen Koordinate gespeichert, die sich auf die dabei entstandene, baumförmige Datenstruktur (den Quadtree) bezieht.
Aufgrund ihres Aufbaus ist die Quadtreestruktur ein sehr guter Kompromiß zwischen Vektor- und Rastermodell, auch kann sie viele Vorteile dieser Methoden in sich vereinigen:
Bei der Auswahl eines Rastersystems ist zu prüfen, wie bei der Verknüpfung von Datenebenen unterschiedlicher geometrischer Auflösung verfahren wird.
Auswerteverfahren
Mit Rasterdaten lassen sich viele der mit Vektordaten möglichen Auswerteverfahren ebenfalls durchführen. Daneben sind sie insbesondere für Verfahren interessant, die die Nachbarschaft einbeziehen (Bonham-Carter 1994).
Ableitung von Statistikparametern: Für einen Rasterdatensatz werden statistische Parameter wie Mittelwert, Standardabweichung, Extremwerte und Häufigkeitsverteilung bestimmt.
Nachbarschaftsbezogene Auswertungen: Für die Nachbarschaft werden beispielsweise die acht am nächsten gelegenen Rasterelemente in die Auswertung einbezogen, um statistische Parameter wie Entropie und Varianz abzuleiten.
Inkrementelle Operatoren: Ergebnisse eines Analyseschritts werden an die benachbarten Rasterelemente weitergegeben. Verfahren dieser Kategorie sind die Bestimmung von Einzugsgebieten und die Ableitung von Kostenoberflächen.
Auswertungen von Höhenmodellen: Aufbauend
auf einem Raster digitaler Geländehöhen sind u. a. folgende Analysen
möglich:
Rasterdaten als Schwarz-Weiß-Schummerung mit Höhenlinien und überlagerter Straßenkarte (hier Beispiel Tegernsee), Quelle: http://www.wenninger.de/produkte/img/DGM(sw)BadWiessee.jpg
Weitere Einsatzmöglichkeiten
Neben der Möglichkeit, Daten selbst in Rasterform zu erfassen, zu speichern und auszuwerten, gibt es im GIS-Bereich eine Reihe weiterer Möglichkeiten der Nutzung rasterbasierter Daten:
Digitalisiergrundlage: Karten werden gescannt
und dienen als Grundlage für eine manuelle oder automatisierte Digitalisierung
am Bildschirm.
Bewertung der Rasterdatenstruktur
Als Vorteile der Rasterstruktur sind zu nennen:
Als Nachteile der Rasterstruktur sind jedoch zu nennen: